Citizen Science Directory

Citizen Science ist ein breites Feld in dem es Projekte aus verschiedenen Disziplinen gibt. Gemeinsam haben sie, dass sie Personen in die Forschung einbeziehen, die nicht hauptberuflich forschen. Citizen Science Projekte werden häufig anhand einer Einteilung, die Rick Bonney von der Cornell University gemacht hat, unterschieden. Er spricht von «contributory», «collaborative» und «co-created projects». Gemeint ist damit, dass Projekte auf unterschiedliche Formen der Beteiligung setzen. In contributory prjects steht im Vordergrund, dass Bürgerinnen und Bürger zu einem bereits definierten Projekt beitragen, indem sie beispielsweise Daten sammeln. Am anderen Ende des Spektrums, in «co-created projects» werden Projekte von Anfang an gemeinsam geplant und definiert, insbesondere bei der Formulierung der Fragestellung und des der Frage zugrundeliegenden Problems.

Die PWA möchte besonders Projekte fördern, die co-created sind. Wir sehen aber jede Initiative, die Bürgerinnen und Bürgern aktiv in Forschung einbezieht, als einen wichtigen Schritt in die Richtung der Etablierung von partizipativen Ansätzen in der Forschung. Wir möchten hier eine Übersicht von Projekten anbieten, die in Zürich angesiedelt sind und/oder einen Zürich-Bezug haben. Die Projekte sind auf unterschiedlichen Punkten auf dem Spektrum von contributory, collaborative und co-created angesiedelt; alle setzen in der einen oder anderen Form auf die Beteiligung von BürgerInnen.

Eine umfassende Auflistung von Citizen Science-Projekten in der Schweiz stellt Schweiz Forscht hier zur Verfügung!

An diesen Projekten kann man sich online beteiligen

Bullinger Digital

Ganz neu aufgeschaltet ist das Projekt «Bullinger digital». Der Zürcher Reformator Heinrich Bullinger (1504-1575) war ein wichtiger Multiplikator für die Ideen der Reformation in der Schweiz und in Europa. Bullinger hat umfangreiche Korrespondenz geführt. Seine Briefe sollen digitalisiert und zugänglich gemacht werden, dafür braucht es die Mitarbeit von vielen. Alle Informationen finden Sie auf der Projektwebsite.

 

Herbarien

In den Vereinigten Herbarien der Universität und ETH Zürich liegen 2.8 Millionen Belege von Pflanzen und Moosen! Die Datenbank soll digital erfasst werden. Bürgerinnen und Bürger können sich bei der Transkription und Georeferenzierung von Belegen beteiligen. Zur Mitarbeit anmelden können Sie sich hier. Wer sich angemeldet hat und einen Account bekommen hat, kann auf eine PDF-Datei zugreifen, in der beschrieben wird, wie das das Portal zu bedienen ist.

SVG

Im Projekt «Schweizerdeutsch 1930/2020» geht es um Entwicklung Schweizer Mundart. Durch die Transkription der sogenannten «Wenker-Sätze» - 40 hochdeutsche Sätze, die in den 1930er Jahren an vielen Schulen der Deutschschweiz in den jeweiligen Dorfdialekt übersetzt wurden - können Freiwillige zur Erforschung von Dialekten beitragen.

 

Bildarchiv ETH

Das Bildarchiv der ETH-Bibliothek verfügt über umfangreiche Bildbestände. Über das Crowdsourcing Portal finden Sie Informationen über die Möglichkeiten zur Bestimmung und Georeferenzierung von Bildern. Freiwillige werden regelmässig zu Veranstaltungen auch offline eingeladen.

crowd water

Das Projekt «Crowdwater» wird vom Schweizer Nationalfond gefördert und ist am Lehrstuhl von Prof. Dr. Jan Seibert am Geographischen Institut angesiedelt. In diesem Projekt können Bürgerinnen und Bürger hydrologische Daten mittels einer App sammeln. Auch ein Spiel bietet Crowdwater an. Alle Informationen finden sich hier.

Mitrends

«Mitrends» ist ein Kooperationsprojekt des Universitätsspitals Zürich, der Berner Fachhochschule und der MIDATA Genossenschaft. Die Studie verfolgt den Zweck, neues über die Symptome und körperlichen Einschränkungen bei Patient*innen mit Multipler Sklerose (MS) herauszufinden.

Wiesel

Um den Bestand von Wieseln in der Schweiz geht es im Projekt «Wiesel gesucht». In diesem Projekt werden Wildtierkameras eingesetzt, die bei Bewegungen ein Bild machen oder ein kurzes Video aufzeichnen.

Hate Speech

«Hate Speech» nutzt WhatsApp Daten, die von Bürger*innen gespendet wurden, um Hassausdrücke in privater digitaler Kommunikation zu klassifizieren. Freiwillige können Auszüge aus WhatsApp Nachrichten klassifizieren und somit zur Erforschung privater Kommunikation beitragen.

Älterwerden

 

Das Citizen Science Projekt «Älterwerden» untersucht unterschiedliche Biografien aus der Deutschschweiz. Wie kommen lange, auch ausserhäuslich engagierte Lebensläufe zustande? Wie sieht der Alltag von engagierten Personen mit 70, 75 aus und welche Bedingungen haben sie darin unterstützt, zu werden, wer sie heute sind? Gültige Antworten auf diese Frage sind im demografischen Wandel sehr wichtig, weil schon die heute Dreissigjährigen Anhaltspunkte brauchen, um ihre ausgedehnten Lebensentwürfe anders zu gestalten als ihre Eltern.

Von der PWA geförderte Projekte

Photo by Louis Droege

Neben diesen Projekten gibt es partizipative Initiativen, die sich entweder an eine bestimmte Personengruppe wenden und/oder sich in einer Entwicklungsphase befinden und offline stattfinden. Dazu gehören sieben Projekte, die Ende 2019 gestartet sind, und die von der PWA mit finanziellen und ideellen Mitteln gefördert werden.

Bei «My Life with MS» geht es um die Umsetzung und Analyse des ersten von MS-Betroffenen mitgestalteten Gesundheitsfragebogen der Schweiz.

Im «MeteoAlpen» Projekt werden Outdoorsportlerinnen und Outdoorsportler in die Sammlung von Messdaten zur besseren Prognose von Wetter in den Alpen einbezogen. «My Survival Story» fragt danach, wie die Erfahrungen von Krebsüberlebenden von Betroffenen, Angehörigen und anderen Stakeholder genutzt werden können.

Einen Citizen Science-Ansatz wählt auch das Projekt «Theologisches Empowerment bei ehrenamtlichen Kirchenleitenden». Hier wird danach gefragt, wie die theologische Sprach- und Handlungsfähigkeit von ehrenamtlichen Kirchenvorsteher*innen gefördert werden kann.

Um «Soziale Teilhabemöglichkeiten von geflüchteten Kindern und Jugendlichen» geht es in einem Projekt, das in den Erziehungswissenschaften angesiedelt ist und in dem Forschende, Ehrenamtliche und Betroffene zusammenarbeiten.

“Wäm sini Stadt? Eusi Stadt!" konstatiert «(Y)our City» und fragt nach den Interessen und Bedürfnissen von Quartierbewohner*innen in den Zürcher Kreisen 3 und 7 in Bezug auf Umweltthemen.

«Für mehr Lebensqualität in Winterthur» setzt sich ein Projekt ein, in dem die Einwohner*innen der Stadt Winterthur diskutieren, was Lebensqualität in einer sich verändernden Stadt für verschiedene Menschen bedeutet.

Ebenfalls um Leben in Städten geht es in «Züri begrünt». Im Projekt wird gefragt, wie Anreize gesetzt werden können, damit Stadtbewohner*innen proaktiv die Begrünung ihres Lebens- und Arbeitsraumes fördern können.

Eine ausführlichere Übersicht der Projekte ist hier verfügbar.