Was ist partizipative Forschung?

Wissenschaft ist partizipativ, wenn der Forschungsprozess so gestaltet wird, dass Bürgerinnen und Bürger die niedrigschwellige Möglichkeit haben, zu entscheiden, ob sie an verschiedenen Schritten eines Forschungsprojekts beteiligt sein möchten. Wir verstehen unter Partizipation also, dass zunächst die Möglichkeit zur Mitarbeit und Beteiligung gegeben wird. In einem zweiten Schritt wird die Art und Weise der Zusammenarbeit von den Beteiligten gemeinsam erarbeitet und definiert. Einen gleichberechtigen Forschungsprozess zu gestalten, bedeutet nicht, dass alle Beteiligten die gleichen Aufgaben und Arbeitsschritte ausführen müssen, sondern eher, dass jede und jeder individuelle Kompetenzen, Wissen und Fähigkeiten optimal einsetzen kann. Arbeitsteilung führt auch in der nicht-partizipativen Forschung zu effizienterem Vorgehen und besseren Ergebnissen. Darüber, wie die Arbeit aufgeteilt wird, wird in einem partizipativen Projekt gemeinsam von allen Projektbeteiligten entschieden.

Die Initiative für partizipative Forschungsprojekte kann sowohl von Bürgerinnen und Bürgern als auch akademisch Forschenden ausgehen. Partizipative Wissenschaft ist ein Sammelbegriff und wird als Forschungsansatz bereits in verschiedenen Bereichen der Wissenschaft verwendet. Oftmals wird im Englischen auch der Begriff «Citizen Science» oder im Deutschen «Bürgerwissenschaften» als Synonym benutzt. Partizipative Wissenschaft gibt es in Bereichen, in denen Menschen, ihr Handeln und Erleben erforscht werden. Aber auch in Disziplinen, in denen Natur oder Umwelt erforscht werden, können Bürgerinnen und Bürger mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gemeinsam forschen.

Partizipation in der Wissenschaft funktioniert nicht nach dem «alles-oder-nichts Prinzip». Manche Projekte sind zu einem höheren Grad partizipativ als andere. Der höchste Grad an Partizipation ist dann erreicht, wenn Bürgerinnen und Bürger und Forschende während des gesamten Forschungsprozesses gleichberechtigt nebeneinander und miteinander forschen. Dass dies so gut wie möglich und so oft wie möglich geschehen kann, ist das Ziel unserer Arbeit an der Partizipativen Wissenschaftsakademie der UZH und ETH.