Die «Sammlung Borys Malkin» im Blick von Wounaan in Kolumbien

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Das Forschungsprojekt ist eines von fünf Werkstattprojekten am Völkerkundemuseum der Universität Zürich, die je in eine partizipative Ausstellung münden werden. Im konkreten Projekt geht es um Objekte von Wounaan aus Kolumbien, inklusive Fotos und Kurzfilmen, die auf den Sammler Borys Malkin (1917–2009; polnischer Entomologe, Ethnologe und Archäologe) zurückgehen. Von 1968 bis 1972 besuchte Malkin mehrere Dörfer von Wounaan und erwarb bei ihnen zahlreiche «vollständige Objekt-Sets», die er an viele europäische und nordamerikanische Museen verkaufte. Diese Art Sammel- und Verkaufspraxis war ein Geschäftsmodell, das Malkin von 1957 bis 1994 sein Auskommen sicherte. 

Das Werkstattprojekt wird von Beginn an nicht als fertige Ausstellung, sondern als interpretationsoffener partizipativer Forschungsprozess angelegt und der Öffentlichkeit als solcher im Ausstellungsraum präsentiert. Im Fokus stehen dabei fünf Kernfragen an die Sammlung hinsichtlich Kontext, Herkunft, Zeitgenossenschaft, Könnerschaft und Rückbindung, die sich aus drer Forschung in unserem universitätsmusealen Kontext wie auch aus der Analyse der aktuellen Museumsdebatten ergeben. Sie sind grundlegend für das Verständnis von materieller Kultur und praktischem Wissen von Urhebergesellschaften. Anhand dieser Fragen ist es möglich, einen Dialog über Sammlungen breit zu führen.

Wir verfolgen das Ziel, den museal-ethnologischen Forschungsprozess sichtbar zu machen und Repräsentant*innen der Urhebergesellschaften, Expert*innen, Handwerker*innen und Wissenschaftler*innen einzuladen, sich in diesen Prozess einzubringen und miteinander in Dialog zu treten. Dabei kommt der Partizipation von Wounaan über eine gemeinsame Internet-Plattform und damit verbundene Foren, über sorgfältiges einander Zuhören an gemeinsamen Workshops in der Sammlung in Zürich, das Sichtbarmachen ihres Verständnisses der Sammlung an unserem Museum und ihrer Vorstellungen des Umgangs damit, der Kontextualisierung, der möglicherweise Erweiterung im Interesse ihres Repräsentiertwerdens in der Schweiz, der Formulierung ihrer Sichtweisen über verschiedene Medien (Film, Foto, Text, Performanz etc.) eine zentrale Bedeutung zu. Das besondere Gewicht der Partizipation von Bürger*innen der Urhebergesellschaft der Wounaan, die heute vor allem in Kolumbien (Rio San Juan) und auch in Panama (Comarca Emberá-Wounaan) leben, rechtfertigt sich durch die besonderen Umstände. Die Urheberrechte an der Sammlung liegen bei den Wounaan. Gemeinsam mit Wounaan kann damit in Zürich einmal beispielhaft aufgezeigt werden, wie Urhebergemeinschaften sich den Umgang mit einer einst kommerziell angelegten Sammlung über sie heute vorstellen, und es kann ihren Perspektiven Raum gegeben werden.