Wissenschaftskommunikation von Laien für Laien

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Wie sähe Wissenschaftskommunikation aus, wenn die Menschen, die bisher nur als Rezipient*innen an ihr beteiligt sind, sie neu als Produzent*innen gestalten würden? Dieser kaum erforschten Frage geht unser Projekt nach.

Dazu arbeiten wir eng mit dem Swiss Science Center Technorama zusammen, welches das Ziel verfolgt, seinen Besucher*innen Wissenschaft über direkte sinnliche Begegnungen mit Naturphänomenen nahezubringen. Obwohl die Besucher*innen hier – im Vergleich zu anderen Museen – eine sehr aktive Rolle spielen, bleibt Kommunikation im Ausstellungsraum im Wesentlichen eine Einbahnstraße: Die Texte, welche die Exponate im Technorama begleiten, beschreiben und erklären die erlebten Phänomene aus einer wissenschaftlichen Perspektive.

Diese einseitige Form der Kommunikation wollen wir aufbrechen: Dazu werden wir 45-minütige Besucherworkshops entwickeln, in denen Teilnehmer*innen mithilfe eines Hands-on-Exponats ein einzelnes Naturphänomen erfahren. Daraufhin entwerfen sie in Zusammenarbeit mit Linguist*innen Texte, um diese Erfahrung anderen Besucher*innen weiterzugeben. Diese Texte werden in die Ausstellung integriert.

Diese Workshops filmen wir (mit Einverständnis der Teilnehmer*innen) und rekonstruieren auf dieser Grundlage gesprächsanalytisch die Strategien, mit denen die Besucher*innen über Wissenschaft kommunizieren. Schließlich werden alle Teilnehmer*innen zu einer halbtägigen Wochenendveranstaltung eingeladen, in der sie zusammen mit uns die bis dahin geschriebenen Texte sowie die Videoaufnahmen von ihren Diskussionen in den Kurzworkshops analysieren können.

Mit diesem Input und unserer gesprächsanalytischen Expertise wollen wir die folgenden Fragen empirisch beantworten:

  • Mit welchen sprachlichen und körperlichen Strategien vermitteln die Besucher*innen ihre Erfahrungen mit wissenschaftlichen Phänomenen?
  • Welche Wissenschaftsthemen sind wie genau für sie wichtig? Wie genau beziehen sie
  • Wissenschaft auf sich, auf ihre Identität, ihr Alltags(er)leben?
  • Welches Bild von Wissenschaft und Wissenschaftlichkeit liegt den Vermittlungshandlungen der Workshop-Teilnehmer*innen zugrunde?
  • Wie unterscheiden sich die expliziten Positionierungen der Besucher*innen zum Thema Wissenschaft und Wissenschaftsvermittlung mit den impliziten Positionierungen im Vermittlungshandeln während der Kurzworkshops?

Gleichzeitig erhalten die Teilnehmer*innen der Wochenendveranstaltungen die Gelegenheit, sich in die Planung einer zweiten Generation von Kurzworkshops einzubringen, um diese an die tatsächlichen Bedürfnisse und Wünschen der Besucher*innen anzupassen.

Indem wir Laien nicht als Personen behandeln, die es ‚auf Augenhöhe zu heben‘ gilt, sondern als Akteure, von denen Wissenschaftsvermittlung ausgehen kann, radikalisieren wir eine aktuelle Entwicklung in der Erforschung der Wissenschaftskommunikation (‘from deficit to dialogue’). Wir stärken die Sichtbarkeit der in diesem Forschungsfeld bisher kaum repräsentierten Linguistik und tragen darüber hinaus zu einem sich erst ausbildenden linguistischen Forschungsfeld bei, das die Rolle der Körperlichkeit und des Handelns an Objekten für die Vermittlung von Wissen(schaft) in Interaktion zum Gegenstand hat.

Gleichzeitig ermächtigt unser Projekt Bürger*innen, sich ausgehend von ihren individuellen Erfahrungen in die Wissenschaftskommunikation einzubringen, und es eröffnet dem Technorama Chancen, seine Rolle als Institution der Wissenschaftskommunikation völlig neu zu denken.